Projekte

in Zusammenarbeit mit der Universität Lübeck

"Auswirkungen von Schichtarbeit"

aus Website:

Forschungs-/Leistungsberichte Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Institut für Arbeitsmedizin
Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Richard Kessel
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck 

http://www.arbeitsmedizin.uni-luebeck.de/

Forschungsschwerpunkte

Einen wesentlichen Forschungsschwerpunkt stellen Untersuchungen zu den "Auswirkungen von Schichtarbeit" dar. Von besonderem Interesse sind eventuelle Veränderungen metabolischer und kardiovaskulärer Risikoparameter, schlafbezogene Befindlichkeitsstörungen, die Einflüsse z. B. von Motivation und Arbeitszufriedenheit auf die Akzeptanz von verschiedenen Schichtarbeitsmodellen, die Freizeitgestaltung und soziale Beeinträchtigungen. Zu diesem Thema startete im Februar 2005 ein neues Teilprojekt unter dem Titel „Schichtarbeit, Schlaf und metabolisches Syndrom“, in dessen Rahmen zunächst ein Doktorand betreut wird. Es erfolgte die interdisziplinäre campusinterne Zusammenarbeit mit der klinischen Forschergruppe „selfish brain“ der Medizinischen Klinik I, Ansprechpartner PD Dr. Schultes und Frau Chara. Durch diese Zusammenarbeit konnte unser Projekt „Auswirkungen von Schichtarbeit“ durch die Bestimmung experimenteller metabolischer Risikoparameter erheblich erweitert werden.

  • Projektleiterin: Frau Dr. med. A. van Mark, FÄ für Arbeitsmedizin, Ernährungsmedizin

  • Wiss. Mitarbeiter: Dr. med. S. W. Weiler, FA für Arbeitsmedizin, Ernährungsmedizin

  • Doktorand: Marcel Schröder

Zusammenarbeit mit der klinischen Forschergruppe „selfish brain“ der Neuroendo­krinologie der Medizinischen Klinik I, UK-SH, Campus Lübeck, Ansprechpartner: Priv.-Doz. Dr. med. B. Schultes und Frau Chara.

Zusammenarbeit mit anderen Institutionen außerhalb des UK-SH:

  • Dr. med. M. Spallek und Dr. med. J. Birkle, Gesundheitsschutz, VW Hannover

  • Dr. med. M. Heppner, Betriebsärztlicher Dienst Lübeck

  • Dr. med. P. Egler und Dr. med. G. Ziegler-Piatak, Consilius GmbH, Reinbek

  • Dr. med. J. Seiter und M. Mönnich, Institut für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin Nord, Reinfeld

In Kenntnis schlafmedizinischer und arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse werden in interdisziplinärer internistisch-arbeitsmedizinischer Zusammenarbeit der aktuelle Gesundheitszustand und die gesundheitlichen Belastungen von Schichtarbeitnehmern durch Erfassung gesundheitlicher Risikofaktoren untersucht. Von besonderem Interesse sind die möglichen Auswirkungen einer chronischen bzw. langandauernden Störung zirkadianer Rhythmen. Eine Neu-Bewertung arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse erscheint unter dem Aspekt veränderter moderner Arbeitsbelastungen und Arbeitszeitgestaltungen und eines gestiegenen Gesundheitsbewusstseins der Bevölkerung gerechtfertigt.

In der Schlafmedizin wurde beobachtet, dass akute und kurzzeitig anhaltende Störungen des zirkadianen Rhythmus zu Veränderungen der endokrinen, metabolischen, immunologischen und kognitiven Funktionen führen, möglicherweise bis hin zur Induktion des metabolischen Syndroms. Die chronische monate- bis jahrelange Störung der zirkadianen Rhythmik durch Nacht- und Schichtarbeit, insbesondere durch ungünstige Schichtfolgen, mangelnde Schlafhygiene oder in Kombination mit weiteren Belastungen wie mentalem Stress, gesellschaftlicher Isolierung oder ungesunder Ernährung könnte ebensolche Effekte hervorrufen. Dies sollte sich u. a. in messbaren Veränderungen des Schlafverhaltens, metabolischer und kardiovaskulärer Risikoparameter widerspiegeln. Sollten sich diese Annahmen nicht bestätigen, könnte dies ein Hinweis auf antizipierende und protektive Stoffwechselstörungen zur Regulation chronischer Störungen der zirkadianen Rhythmik sein, möglicherweise mit einer interindividuellen Suszeptibilität. Unsere Ergebnisse könnten so zu einer Identifizierung dieser „Schutz“-Mechanismen beitragen.

Aus unseren Ergebnissen würden sich nicht nur konkrete Hinweise zur Prophylaxe z. B. des metabolischen Syndroms und kardiovaskulärer Erkrankungen ergeben, sondern auch weitere Strategien zur Verringerung arbeitsbedingter Gesundheits-gefahren und eine Untermauerung „alter“ arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse und Beobachtungen mit Ergebnissen der modernen Medizin.

Als Ziel unserer Studie ist letztlich die Identifizierung von Präventionsmöglichkeiten zu sehen, auch zur Verbesserung des individuellen Befindens, der Lebensqualität, der Leistungsfähigkeit und der Arbeitszufriedenheit der Arbeitnehmer, z. B. durch Umsetzung besser verträglicher Schichtmodelle, Aufklärungs- und Begleitprogramme, gesunde Ernährung am Arbeitsplatz und zu Hause. Es wäre ebenfalls ein Beitrag zum längeren Verbleib älterer Arbeitnehmer im Beruf und zur Senkung der Kosten im sozialen Gesundheitssystem."